Index / 04 — Nester
Die Nester
Die Höllenzunft Kirchzarten e.V. von 1935 besteht aus sechs Gruppierungen, die Nester genannt werden. Alle zusammen bilden die Höllenzunft — aus jedem Nest wird ein Vorstand gestellt, diese bilden wiederum den Vorstand der Höllenzunft Kirchzarten.
N.01 — Hexen von Kirchzarten
Die Hexen von Kirchzarten
Mit dem Aufkommen der ersten Fasnachtsveranstaltungen nach dem Ersten Weltkrieg beginnt die Vorgeschichte des ältesten Kirchzartener Narrennestes, der Hexen. An der Fasnet 1932 nahmen Otto Trescher und einige seiner Freunde im Gewand alter Bauernfrauen als „Pfuddleschoobewieber" am Umzug teil. Wenige Jahre später wurde aus dieser Gestalt, im Anschluss an eine Sage, die Brigitti-Hex geboren.
1938 traten drei Herolde mit schwarz-rotem Flecklehäs hinzu. Sie wurden als Fasnetlader bezeichnet. 1949 vereinigten sich dann die Fasnetlader, Geisselklöpfer und Hexen zu einer eigenen Gruppe neben dem neu gebildeten Elferrat. Die Hexen wurden als Höllengeister, die Fasnetlader als Geistertreiber oder Teufel und die Geisselklöpfer als deren Begleiter in der Höllenzunft zusammengefasst.
1950 wurde durch Otto Trescher, Erich Rieder und Karl Schuler der Hexentanz aus der Taufe gehoben und in Zell i.W. beim Narrentag uraufgeführt. 1980 folgten die Hexen einer Einladung des Bundeskanzlers nach Bonn zum Kanzlerfest. 1984 wurde der Hexentanz vor dem Europaparlament in Oberkirch aufgeführt. Seit 1935 führen die Hexen das alljährliche Eierlesen am Ostermontag durch.





H.1 D'Brigitti-Hex — die Sage
„Vor alde Zitte isches gsi, do hät im Matthiesli si Vieh ä Hirtebüebli uf d'Madde triebe, un isch bis z'Obed drobe bliebe. Do hät's im Wald so grusslig gruescht, un buschbert häts in Hag un Bluescht un's Käuzli hät zur Nacht scho g'schraue, der Büebli packt jetz Angscht un Graue.
Un z'mol isch ussem Waldeseschadde, e Wiebli g'huscht grad uf die Madde. Buggel häts, e Krüggestock, e alde Tschobe un Löcher im Rock. Sel Wiebli hets Büebli si Lebdig nit kennt, un isch vor Schrägge abigrennt.
Viel Johr sin vergange, so ischs im Läbe, die Zit vergoht, mer kase nit hebe. Sel Büebli isch gwachse, stark worre, un wie! E Metzger-G'sell seller ischer jetz g'si. Mer nimmts jetz mit em so licht nit uff, zwei starke Füüscht, die haue druff!
So ischer denn mol z'Obe spot, zum Mäddli nuff dr Weg jetz goht. Nit Dod, nit Düfel fürcht er jetz, kummt einer her, dann kummt er lätz. Un widder häts grueschet un brueschet im Wald, un s'Käuzli hät gschraue z'Obe scho bald, doch der Bursch fürcht sich nit, tappt durch Moos un Krut, ballt sini Füscht un rüeft jetz lut: „Kumm numme, i fürcht di nimmi jetz! Wo bisch denn, du kruggeli aldi Häx?"
Hexe: „Do bin i, du Bürschli, du lährsch mi schu kenne, soll niemens mi ugschtroft mit Name nenne! I schdopf d'r di ugwäsche Muhl, g'hai ab in d'Brigitti, in de diefschde Pfuhl!" So het sell Wiebli, sel bsunder gsait, do ischem Höre un Sehe vergange, im Sumpf bi de Kröde, Molch un Schlange.
Erscht z'Morgefrüeh, zur Betzit dr Fromme, do ischem widder d'Vernunft gekomme. „Oh" sait'r „sel isch aber lätz, sel Wieb isch gsi d'Brigitti-Häx". Un spukt si no? Sag mer's doch gli! Häsch du si gsähne? der oder die — Jojo! Sie spukt no in unserem Tal, un hät e Gfolgschaft, e grossi Zahl! Die döbere un tanze zur Fasnetzit, un d'Brigitti-Häx die tut no mit!"
H.2 Unser Hexentanz
Das Narrennest der Hexen von Kirchzarten ist nach der Figur der Brigitti-Hex, einer Volkssage aus dem Dreisamtal, entstanden. Die Brigitti-Hex taucht zu Beginn der Fasnet aus ihrem Versteck im Giersbergwald auf und wird mitten im Dorf, am Abend des „Schmutzigen Dunschdig", auf ihren Thron erhoben — zum Zeichen, dass sie über die Fasnetzeit regiert. Am Fasnetdienstag-Abend wird sie unter lautem Trauergeheul am Narrenbrunnen verbrannt. Der Hexentanz wird zur Feier ihrer Inthronisation am Abend des Schmutzigen Dunschdig im Kurhaus getanzt.
Zu Beginn sitzt der Oberteufel mit seinen vier Gesellen wie schlafend am Boden. Doch die Lockhexe naht und versucht mit ihrem Besen die Teufel zu wecken. Selbst durch Entflammen des Hexenfeuers lassen sie sich nicht stören. Jetzt schwingt die Lockhexe ihren Besen und winkt Hilfe herbei. Nach dumpfen Klängen kommen in zwei Reihen die restlichen Hexen herein. Drohend schwingen die Hexen ihre Besen und auf einen gemeinsamen Schlag springen die Teufel auf, um sich auf die Ruhestörer zu stürzen. Der Kampf ist in vollem Gange, als plötzlich ihr gemeinsamer Feind, der Winter, auf dem Platz erscheint. Mit furchterregender Totenmaske stürmt er herein und fegt mit großen Hieben die Hexenschar von der Bühne. Doch die Teufel und die Lockhexe lassen sich nicht vertreiben. Unterstützt von den zurückeilenden Hexen vertreiben sie gemeinsam den Winter und vollführen zu den Klängen des Narrenmarsches einen Freudentanz über den endgültigen Sieg.
H.3 Das Eierlesen am Ostermontag
Dieser Brauch, der seit 1935 in Kirchzarten von den Hexen gepflegt wird, war früher über ganz Südwest-Europa verbreitet. Es ist ein interessanter Wettkampf zwischen einem „Eierleser", der über eine Strecke von 70–80 Metern 100 Eier einzeln einsammeln muss. Gegen ihn läuft der „Läufer", der eine Strecke von ca. 5 km zurücklegen muss. Um die Sache zu erschweren, muss auf dem Weg in 4 Gaststätten eingekehrt werden und in jeder ein „Viertele" getrunken werden. Damit alles seine Richtigkeit hat, wird er zur Kontrolle von einem Reiter begleitet. Die Gewinnchancen des Eierlesers ändern sich dauernd durch das Eingreifen von Dieben und des Polizisten.
Das Spiel entstand als eingekleidete Rechenaufgabe zur Erklärung der Summenformel für die endliche arithmetische Reihe. Diese Aufgabe findet sich zum ersten Mal im „Rechenbuch auf den Linien und mit Ziffern" des Frankfurter Rechenmeisters Simon Jakob von Coburg, das seit 1557 in zahlreichen Auflagen erschienen und heute noch in der Freiburger Universitätsbibliothek greifbar ist. Später wurde das Spiel von den Jesuiten aufgegriffen, die seine Nachahmung ausdrücklich empfahlen.
H.4 Junghexen
Unsere Junghexen werden von ausgewählten Verantwortlichen innerhalb der Althexen unterstützt. Sie organisieren die Junghexen-Termine, helfen beim Anziehen des Häs und passen auf, damit alle wieder Kinder heil zu Hause ankommen. Das Besondere: Bei den Kirchzartener Hexen dürfen alle Kinder ab 6 Jahren eine Junghexe werden, ohne dass die Mama oder der Papa in den Althexen sind! Aktuell sind wir ca. 30 Junghexen im Alter von 6–17 Jahren.
Auch für die Junghexen gibt es eine Häsordnung. Ab 14 Jahren bekommen die Junghexen bereits geschnitzte Masken aus Kunststoff oder Holz. Ab 18 Jahren kann ein Aufnahmeantrag in die Althexen gestellt werden — und wenn die Probezeit von einem Jahr bestanden ist, bist du eine echte Kirchzartener Hex.
Die Junghexen dürfen bei Fasnet-Umzügen in Kirchzarten und im Dreisamtal mitmachen. Auch bei der Fasneteröffnung und der Beerdigung am Fasnet-Dienstag sind sie selbstverständlich dabei. Unterm Jahr gibt es auch Aktivitäten wie z. B. einen gemeinsamen Ausflug oder ein Junghexen-Grillfest.
Fragen zu den Junghexen? Gerne an junghexen@gmx.de
N.02 — Schlangenzunft Zarten e.V.
Schlangenzunft Zarten e.V.
Nachdem 1952 auf Betreiben von Karl Hug, Alois Pfändler und Max Birkenmeier in der Nachbargemeinde wieder einige Fasnachtsveranstaltungen durchgeführt wurden, traten im folgenden Jahr zwei Männer als Schlangenbeschwörer auf und begründeten damit eine Fasnachtsvereinigung, die als Schlangenzunft Zarten weit über die Grenzen der Region bekannt geworden ist.
Die Maske stellt, in Anlehnung an das Haupt der Medusa, ein Frauenantlitz dar, das mit Schlangen bekränzt ist. Die Entstehung dieses Maskentyps wird in einer Sage begründet, die von einer Schlangenplage im Zartener Becken erzählt. Als Zarten 1974 im Zuge der Gemeindereform seine Selbständigkeit aufgab und der Gemeinde Kirchzarten eingegliedert wurde, schlossen sich die Schlangen als fünftes Nest der Höllenzunft an.

N.03 — Brigitti Matrosen
Brigitti Matrosen
Die als drittes Nest der Höllenzunft in der Fasnacht 1952 gegründete Vereinigung der Brigitti-Matrosen ging aus dem Sportverein Kirchzarten hervor. Angeregt durch eine auswärtige Veranstaltung kam der Initiator und langjährige Nest-Vogt Albert Schlemmer auf den Gedanken, gemeinsam mit einigen Kameraden eine Matrosengruppe zu gründen. Der Name Brigitti wurde von der sagenhaften Hexe übernommen.
Die Matrosen bekleideten sich zunächst mit rot-weiss gestreiften Ringelhemden und blauem Seidenlatz sowie mit Papiermützen. Einheitlich getragene schwarze Schuhe und schwarze Hose rundeten das Bild ab. Der Vorstand, der „Kapitän", kleidete sich in eine weisse Kapitänsuniform.
Von Beginn an taten sich die Brigitti-Matrosen durch besonders aufwendige Umzugsthemen hervor. Das Generalthema bildet dabei stets das Narrenschiff. Zu den intern gepflegten Riten gehören unter anderem die Matrosentaufe für Jungmatrosen — mit scharfen Getränken. Die Brigitti-Matrosen konzentrieren sich stets auf die Fasnacht im Dreisamtal. Jährlich zur Fasnetszeit errichten sie einen Leuchtturm als Wahrzeichen ihrer Machtübernahme und Kennzeichnung der „Hafenkneipe" — bis zu ihrem Jubiläumsjahr 2002 vor dem Gasthaus Hirschen, seither in der Fussgängerzone vor dem Hotel Fortuna.


N.04 — Contra Brüder
Contra Brüder
Nachdem schon 1956 und 1957 Fasnachtsbälle unter der Leitung von Albert Rettich und Klaus Zumkeller im Löwen ausgerichtet wurden, Organisation und Durchführung aber einen selbständigen Veranstalter erforderlich machte, trat 1958 auf Initiative von Klaus Zumkeller das vierte Nest der Höllenzunft hervor.
Aus dem Skatclub wurden über die Fasnachtszeit die „Contra-Brüder", deren rot-weiss-grünes Häs den Bildern der Spielkarten nachgestaltet wurde. Mit ihren Auftritten — früher im alten Kinosaal oder im Hotel Löwen, heute im Kurhaus — errangen sie einen besonderen Erfolg. Das anfängliche Misstrauen der etablierten Nester der Höllenzunft schwand mit den Erfolgen der Contra-Brüder.




N.05 — Mehlsäck Kirchzarten
Mehlsäck Kirchzarten
Einst am Osterbach, der durch Kirchzarten und durch die Talvogtei floss, stand die Stöckle Mühle. In dieser Mühle wurde Getreide zu Mehl verarbeitet, in grosse Säcke gefüllt und im Dreisamtal verkauft. Immer und immer wieder wurde das Getreide mit dem Dreschflegel bearbeitet — selbst in der Vollmondnacht unter klarem Sternenhimmel wurde mit dem Flegel hantiert, um immer mehr Mehl herzustellen.
Doch in jener Nacht sollte sich alles ändern: Wieder wurde wie besessen mit der Dresche auf das frische Getreide auf dem Steinboden eingeschlagen. Und wieder wurde das Mehl in Leinensäcke gefüllt. Doch um Mitternacht auf den Schmutzigen Dunschdig bewegten sich die Mehlsäcke bei jedem Dreschenschlag. Sie erhoben sich. Stellten sich gegen den Müller. Dieser schlug voller Panik auf die Säcke ein, doch diese zuckten nicht einmal. In den Augen des Müllers — so sagt die Legende — waren Mehlsäcke mit grünen Augen und gelben Zähnen zu sehen.
Seit dieser Nacht wurde nie mehr Mehl in der Stöckle Mühle in der Talvogtei hergestellt. Doch immer am Schmutzigen sind immer noch Mehlsäcke in der Nacht zu sehen … Seit 2016 sind die Mehlsäck Kirchzarten wieder ein festes Mitglied der Höllenzunft Kirchzarten.



N.06 — Bläch-Fezza Kirchzarten
Bläch-Fezza Kirchzarten
Die Bläch Fezza Kirchzarten bestehen heute aus knapp 30 Musikern, die Spaß daran haben, das Publikum mit ihrem fetzigen Sound zu begeistern. Das prachtvolle Häs und die von jedem Musiker selbst gefertigten Hüte sorgen für ein abgerundetes Bühnenbild.
1993, das Gründungsjahr der Bläch-Fezza, starteten sie mit gerade mal 13 aktiven Mitgliedern in ihre erste Fasnet. Durch das immer aktuelle Musikrepertoire und die stimmungsvollen Auftritte können sie immer mehr Musiker für die Guggenmusik begeistern — und so haben sie heute neben den 30 aktiven Mitgliedern zahlreiche unterstützende passive Mitglieder im Verein.
Nicht nur der musikalische Anspruch steigt in den letzten Jahren, auch das Häs wird mit grosser Begeisterung überarbeitet und neu gestaltet. Und so ist das aktuelle Häs, welches zum Jubiläum erstmalig getragen wird, ein wichtiger Bestandteil der Bläch-Fezza. All das führt dazu, dass sie immer bekannter werden und mittlerweile auch neben der 5. Jahreszeit für Auftritte jeglicher Art gebucht werden.

